Wenn “Iss, was du willst” nicht funktioniert…

Wenn “Iss, was du willst” nicht funktioniert…

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Der wahre Schlüssel zu einer gelassenen Beziehung mit dem Essen

Vielen ist mittlerweile klar: Der Teufelskreis aus Überessen und Diät halten, lässt sich nur durchbrechen, indem eins keine weitere Diät macht. Alleine der Akt dir zu erlauben nach Jahren oder Jahrzehnten wieder Schokolade zu essen, hat bereits massive Vorteile für deine Beziehung zum Essen – und damit auch für deine geistige und körperliche Gesundheit. Vorallem beugt eine totale Erlaubnis beim Essen langfristig Heißhunger und Essanfällen vor. 

Aber so einfach ist das in der Praxis nicht. Du kannst dir physisch etwas in deinen Mund stecken, aber wenn du weiterhin psychisch denkst “Das ist falsch; Ich sollte das nicht essen; Oh mein Gott warum kann ich nicht aufhören XYZ zu essen” usw. Dann wird sich auch langfristig nichts ändern. 

Das Kernproblem ist dass viele Menschen weiterhin so denken als wären sie noch auf Diät, selbst wenn sie es nicht mehr offiziell sind. Selbst wenn sie sich bereits erlauben bestimmte Lebensmittel zu konsumieren, was die “Erlaubnis” dabei wieder außer Kraft setzt und sie mit einem gefühl von”Kontrollverlust” was Essen angeht zurücklässt und die Wahrscheinlichkeit für unseren alten Bekannten, Heißhunger oder seinen kleinen Bruder Überessen drastisch erhöht. 

Isabel Foxen Duke nennt dieses Verhalten “emotionaler Mangel” = emotional deprivation. Das ist der Zustand wenn du dir Essen, was du dir vorher verboten hast, zwar physisch in den Mund steckst aber innerlich weiterhin denkst “Das ist falsch! Was wenn ich dick bleibe/werde?! Ich kann so nicht weiter machen!” Isabel und ich reden in dieser Podccast Episode über die Unterschiede zw. Binge Eating und Emotionalem Essen. HIER reinhören (iTunes und Spotify)

 

Wenn du “isst, was du willst” aber eigentlich heftige Gewissensbisse, Scham, Schuldgefühle und Selbstabwertung verspürst, wenn du dir zwanghaft Sorgen darüber machst (wieder) zuzunehmen oder dich allgemein so fühlst als würdest du etwas Falsches essen, wird Erlaubnis als Konzept für eine entspannte Beziehung zum Essen nicht funktionieren… Und zwar egal wie viele Esslöffel voller Ben & Jerry’s du dir in den Mund tust. 

Du magst zwar das Essen konsumieren, aber das heißt nicht, dass du dir das Essen tatsächlich erlaubst. Warum? Weil du nicht emotional im Reinen mit deinen Entscheidungen beim Essen bist.

Anders ausgedrückt: Es gibt einen Unterschied zwischen 

  • Physischer Erlaubnis = Der physische Akt Eiscreme zu essen. Und
  • Psychischer Erlaubnis = Die Überzeugung, dass Eis essen grundlegend in Ordnung ist ob du sie jetzt isst oder nicht

 

Physische Erlaubnis bringt dich nur bis zu einem gewissen Punkt weiter. Psychische Erlaubnis ist der Schlüssel zu einer gelassenen Beziehung zum Essen und deinem Körper und echter Freiheit von Diäten. 

Es gibt aber auch den umgekehrten Fall. Ich kenne viele Menschen, die zwar physisch bestimmte Lebensmittel vermeiden oder einschränken, allerdings aus einem anderen Grund: weil sie sich nach dem Konsum schlecht fühlen. Ich persönlich zum Beispiel vertrage rohe Paprika schlecht. Ich bekomme davon schmerzhafte Blähungen. Außerdem werde ich auf meinen alten Tage etwas empfindlich bei Laktose. Heißt das, dass ich nie wieder rohe Paprika oder Milch zu mir nehme? Nein! Denn eine Intoleranz heißt keine Nulltoleranz zu haben. Aber dazu wird es demnächst noch einen Beitrag geben, der weiter zeigen wird warum emotionale Erlaubnis wirklich der absolute Dreh- und Angelpunkt auf dem Weg zu echter Freiheit beim Essen ist.

Zuletzt möchte ich noch auf eine typischen Denkfalle hinweisen, in die ein paar meiner Klient:innen am Anfang tappen…

Sie erlauben sich physisch bestimmte Lebensmittel zu essen in der Hoffnung sich irgendwann an diesen Lebensmitteln zu “überessen” und danach nie wieder Lust auf eben jene Lebensmittel – bzw. Sie “über” – zu haben. Das wird nicht funktionieren.

Nochmal in aller Deutlichkeit: Wenn du versuchst deine Verhaltensweisen rund ums Essen zu kontrollieren oder mit Gewalt in eine andere Richtung zu verändern, als die Richtung in der sie auf natürliche Weise durch emotionale Erlaubnis sein würden, dann manipulierst du Erlaubnis und verarschst dich effektiv selber. Denn Manipulation hat nichts mit Erlaubnis zu tun.

Fette Grüße,

Dein*e Dot

 

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