Was Wenn Immer Etwas Dazwischen Kommt?

Was Wenn Immer Etwas Dazwischen Kommt?

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5 Schritte Wie Du Endlich vom Prokrastinieren ins Machen Kommst

Wenn ich gefragt werde “Dot, was war dein größter Fehler in deiner Coaching-Karriere?” Dann antworte ich meistens “meine erste Klientin”. Ich wette es geht vielen Coaches so. Dieser Fehler verfolgt mich tatsächlich bis heute. Es ist ein typischer newbie-Coach Fehler: Ich war damals noch sehr unsicher. Stichwort: Imposter-Syndrom und brauchte ständig Bestätigung, dass ich es “richtig” mache. Hallo, Perfektionismus!

 “Weißt du noch alles was wir in der letzten Sitzung besprochen haben und die Ziele, die ich mir gesetzt habe? Ich hab nichts davon gemacht!” 

Jede Woche kam sie zum Coaching, hat ihre Gedanken sortiert, Lösungen selbst gefunden, den nächsten Schritt geplant und verließ die Sitzung voller Motivation und Optimismus. Klingt super, oder? Super bis zur nächsten Sitzung. Denn eine Woche später begann sie die Sitzung folgendermaßen: “Weißt du noch alles was wir in der letzten Sitzung besprochen haben und die Ziele, die ich mir gesetzt habe?” fragte sie. “Ja natürlich”, antwortete ich. Mit einem großen ironisch/sarkastischen Grinsen sagte sie dann: “Ich hab nichts davon gemacht!” Natürlich war ich im ersten Moment ein wenig enttäuscht, habe aber sofort gefragt “Was hat dich davon abgehalten?” bzw. “Was stand in deinem Weg?” nach der Erklärung ihrerseits fragte ich dann “was brauchst du jetzt?” und wir machten einen neuen Plan mit neuen Zielen und noch kleineren Schritten. Die Klientin verließ das Coaching wieder motiviert und optimistisch und ich dachte ich hätte meinen Job gut gemacht. Eine Woche verging und das Spiel begann von vorne. Das Ganze wiederholte sich mehrmals und in einer Sitzung weinte sie sogar und entschuldigte sich bei mir. Ich sagte ihr, dass es nicht schlimm ist wenn sie ihre “Coaching-Hausaufgaben” nicht macht. Denn diese Hausaufgaben, genauso wie das Ziel, setzt sie ja selbst für sich fest. Mich interessiert bis heute nicht so sehr ob eine Aufgabe gemacht oder nicht gemacht wurde, sondern wie es Klient_in jetzt geht und was Klient_in braucht um die eigenen Ziele zu erreichen. 

Sich aufgehoben und unterstützt zu fühlen ist zwar toll, bringt aber nicht die Veränderung, die sich Klient_innen wünschen

Was war also mein größter Fehler dabei? Meine Fragen waren an sich nicht schlecht. besonders die zweite war gut. Die Klientin nannte mir was sie davon abhielt ihre Ziele zu erreichen und wir entwickelten gemeinsam Lösungsansätze. Sie fühlte sich jedes Mal unterstützt und gut aufgehoben. Doch genau hier liegt das Problem: Sich aufgehoben und unterstützt zu fühlen ist zwar toll, bringt aber nicht die Veränderung, die sich Klient_innen wünschen. Denn die wahre Magie passiert nur außerhalb der Komfortzone wenn eins sich traut Risiken einzugehen. Natürlich immer mit Netz und doppeltem Boden, aber trotzdem kleine Risiken. Mein Fehler war sie nicht genügend herauszufordern. Ich wollte sie unterstützen und empathisch sein. Doch am Ende standen die Bedürfnisse meines Egos vor den Bedürfnissen meiner Klientin und das ist niemals okay. 

“Was machen wir eigentlich hier?” oder vielleicht etwas ausformulierter: “Wozu möchtest du unsere Zeit nutzen?”

Ich war zu sehr mit meinem Ego und meiner Unsicherheit beschäftigt, dass ich dabei übersah, dass der echte Mehrwert für die Klientin in einer sanften Herausforderung gelegen hätte. Ich hätte sie, nachdem ich mir ihr Einverständnis für eine herausfordernde Frage einhole (denn das sind ICF Coaching Standards), fragen sollen: “Was machen wir eigentlich hier?” oder vllt etwas ausformulierter: “Wozu möchtest du unsere Zeit nutzen?” und dann ihre Antwort abwarten. Das Ganze nennt sich im Fachjargon “re-contracting” und bezeichnet eine erneute mündliche Vereinbarung über die Ziele und den Sinn und Zweck eines Coachings. Ein regelmäßiges re-contracting ist wichtig um zu schauen wo Klient_in gerade steht. Es ist nicht unüblich, dass Klient_innen im Coaching neue Erkenntnisse gewinnen und merken, dass sie eigentlich an etwas ganz Anderem arbeiten wollen als an dem Thema weshalb sie das Coaching begonnen haben. Das ist an sich überhaupt gar kein Problem und jede_r Coach wird so flexibel sein darauf einzugehen. Doch wenn ein Wechsel zu oft passiert, kann das ein Hinweis auf eine weitere Vermeidungsstrategie sein (Über diese Vermeidungsstrategien allein könnte ich einen Blogartikel schreiben). Das eigentliche Ziel sollte aber niemals vollkommen aus den Augen verloren werden. 

“Coach” bezeichnet sowohl eine Kutsche als auch die Person, die neben d. Kutscher_in sitzt

Denn das ist es was Coaching eigentlich bedeutet: “Coach” hat seine Bedeutungswurzel im Englischen. Dort bezeichnet es sowohl eine Kutsche als auch die Person, die neben d. Kutscher_in sitzt. Der klassische Kutschen Coach war dazu da aufzupassen, dass die Kutsche auf der Straße bleibt. Genauso ist es meine Aufgabe dafür zu sorgen, dass Klient_innen ihre eigentlichen Ziele nicht aus den Augen verlieren. Ich bin kein großer Freund von Druck im Coaching und davon den Klient_innen zu unterstellen sie würden immer nur Ausreden suchen (Link zum Instagram Beitrag über Schuld und Scham als Motivatoren). Denn es gibt tatsächlich gute Gründe die eigenen Ziele zu ändern oder etwas Wichtiges und Dringliches kommt ausnahmsweise wirklich mal dazwischen. Doch wenn das regelmäßig passiert, geht es um etwas Anderes. Das zeigt mir nämlich, dass die Ziele und die Prioritäten d. Klient_in nicht zusammen passen. Nochmal um das so klar wie möglich zu machen: Es ist total okay festzustellen, dass eine Aufgabe jetzt gerade nicht in den Alltag passt oder dass ein Ziel zu hoch gesteckt wurde und beides im Zuge dessen anzupassen z. B. indem du nur einen Teil davon machst. Dieses Anpassen ist wirklich no big deal, geht meistens schnell und kostet nicht übermäßig viel Kraft und Energie. Das was ich als problematischer ansehe und was mir im Coaching öfter über den Weg läuft, ist etwas ganz Anderes. Wenn beispielsweise Klient_in sich anfangs als Ziel setzt an der eigenen Selbstfürsorge und an Grenzziehung arbeiten zu wollen und dann immer wieder Coaching Termine verschiebt oder absagt, dann passt da etwas nicht zusammen. 

Ich verrate dir hier mal ein Geheimnis: Ich glaube nicht an Ausreden! 

Die eigentliche Frage ist dann nicht mehr “was hält dich ab?” und auch nicht “was brauchst du jetzt?” Jetzt ist der Moment für sanfte Provokation, nach vorherigem Einverständnis, gekommen: “Was wenn dir immer etwas dazwischen kommt?” eignet sich da besser. Ich verrate dir hier mal ein Geheimnis: Ich glaube nicht an Ausreden! Denn jede Erklärung/ Rechtfertigung oder wie auch immer wir es jetzt nennen wollen, gibt Aufschluss darüber was eigentlich gerade bei d. Klient_in abgeht. 

Ich werde dir niemals sagen was du zu tun und zu lassen hast. Das bestimmst alleine DU

Mein Job ist es deine Probleme ernst zu nehmen, aufmerksam zuzuhören und dich sanft wieder auf deinen Weg zurück zu führen. Kutschen-Coach, wir erinnern uns 😉 Das kann ich tun indem ich dich frage was du gerade brauchst oder etwas provokativer mit Fragen wie “was machen wir beide eigentlich heute hier?” Aber die wahre Magie passiert wenn DU dich selbst coachst! Und dieses Selbst-Coaching passiert im Idealfall zwischen den Sitzungen. Coaching ist eine Dienstleistung. Ich erweise dir einen Dienst indem ich dir aufmerksam zuhöre, dir weiterführende und herausfordernde Fragen stelle und wir gemeinsam einen Plan für deine Ziele aufstellen. Doch die Leistung, die musst du selbst erbringen. Ja, das ist anstrengend, beängstigend und kann manchmal auch weh tun. Doch das ist etwas was ich nicht an deiner Stelle tun kann. Bei einer Sache kannst du dir aber sicher sein: Ich werde dir niemals sagen was du zu tun und zu lassen hast. Das bestimmst alleine DU. 

Jetzt wird’s praktisch: Deine 5 Schritte in die Umsetzung! 

Wie kommst du also aus der Es-kommt-mir-immer-was-dazwischen Falle wieder raus? Diese Schritte sind nur ein Anfang und kein Ersatz für qualifizierte Beratung und/ oder Therapie. Außerdem haben es die Schritte in sich. Sie klingen einfach, aber wie immer liegt der Schlüssel in der Umsetzung

  1. Werde dir über deine Werte bewusst. Das geht am besten mit einer Werteliste (natürlich kannst diese liste auch erweitern) aus der du zunächst 10, von denen dann 5 und von den 5 wiederum 3 auswählst. Bitte lass dir hier Zeit. Es gibt keine falschen Antworten
  2. Mit Hilfe dieser 3 Werte leitest du dann deine Prioritäten ab. Welcher Wert kommt vor dem anderen? Was ist dir wichtiger? A oder B usw. 
  3. Hier kommt das womit die meisten Menschen Schwierigkeiten haben. Dann ordne deine täglichen Aufgaben nach Wichtigkeit und Dringlichkeit ein. Die sog. Eisenhower-Matrix kann dir da helfen den Überblick zu behalten. Im Newsletter findest du ab jetzt (und nur für kurze Zeit) vorgefertigte Arbeitsblätter dazu
  4. Pro-Tipp: Nimm dir regelmäßig bewusst die Zeit für die wichtigen aber nicht dringlichen Aufgaben aus Quadrant 2. Denn sie beinhalten das größte Potential für positive Veränderung. Mach dazu regelmäßig eine Verabredung mit dir selbst oder nutze Coaching, um dein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. 
  5. Sage öfter “Nein”! Überlege dir mal genau wem du deine Zeit schenken möchtest. Musst du dir wirklich noch in deiner Freizeit zusätzliche Aufgaben aufhalsen? Fang klein an und frage dich: “welche eine Aufgabe, die ich jede Woche mache, kann ich abgeben?” Du musst nicht immer alles alleine tragen. 

Bei allen 5 Schritten kann dir Coaching langfristig helfen dich zu fokussieren, auch mal Aufgaben abzugeben und endlich an deiner Selbstfürsorge zu arbeiten. Denn du kannst nicht aus einem leeren Glas einschenken. Daher sollte deine Selbstfürsorge immer an oberster Stelle stehen. Ja, auch dann wenn du Kinder hast. Denn deine Kinder merken wenn du ständig nur gestresst bist und sie verdienen eine ausgeglichene Mama bzw. Elternteil, die nicht ständig überfordert ist. Überzeug dich selbst und lern mich kennen. Ich freue mich auf dich.

Fette Grüße,

Dot